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Auf Wiedersehen Prag!

Panorama

Jetzt ist es auch schon vorbei, mein halbes Jahr in Prag. Vor lauter Leben bin ich gar nicht so viel zum Schreiben gekommen. Ich verbrachte meine Zeit in den wunderschönen Straßen und Gassen der Stadt, in Clubs, Kneipen, Cafés, Museen, Kinos, Theatern oder einfach in dem unfassbar gemütlichen Sofa in meiner WG-Küche – achja, und teilweise natürlich auch an der Uni, ganz unterschlagen werden soll diese Tatsache nicht.
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Zum Abschluss meiner kleinen Erkundungstour durch die wirre Welt der tschechischen Sprache soll es noch kurz um zwei Ausdrücke gehen, die man zwar in wohl kaum einem Reiseführer bei den essentiellen tschechischen Vokabeln finden wird, die aber dennoch zumindest in der gesprochenen Sprache zu den am häufigsten gehörten Wörtern zählen, und die mir in meiner Zeit in Prag ziemlich ans Herz gewachsen sind.
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pluralismus ist auch dann eine gute sache, wenn es um gerstensaft geht

Eigentlich merkwürdig, dass ich bisher auf einen der wesentlichsten Bestandteile des Erasmus-Studiums noch gar nicht eingegangen bin: Das gemeinsame Konsumieren von Alkohol. Dabei merkt man doch schnell, dass Bier, Wein und Konsorten nicht nur das Knüpfen von Kontakten erleichtern, sondern auch ein beliebtes Gesprächsthema unter jungen Menschen verschiedener Herkunft sind. Wenn man mit jemanden aus einem anderen Land Small Talk betreibt, gelangt man meist schnell zu der Frage: “Und was trinkt man bei euch so?”. Alkohol ist also nicht nur die sozialste Droge der Welt, sondern trägt auch seinen Teil zur nationalen Identitätsstiftung bei. Das trifft natürlich insbesondere auf Tschechien zu, schließlich sind die Tschechen berühmt für ihr Bier. Und das absolut zurecht.
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Ahoj Žižkov!

Ich habe in diesem Blog zwar meinen Abschied aus dem Wohnheim verkündet, aber noch gar nicht berichtet, wohin es mich anschließend verschlagen hat. Dafür wird es jetzt mal Zeit, schließlich wohne ich schon seit Mitte November in einer WG im wunderbaren Prager Stadtteil Žižkov.
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Ein weiteres wichtiges Prinzip der tschechischen Sprache ist, dass sie lange Zeit nur gesprochen und nicht geschrieben wurde. Was wohl zu einem dazu geführt hat, dass die Tschechen teilweise unglaublich schnell sprechen (als Deutscher ist man von so etwas ja immer sehr beeindruckt, für Franzosen und Spanier ist es wahrscheinlich nicht so ein großer Unterschied) und zum anderen, dass man bei der Schreibweise sehr sparsam ist.

Wieso ein “sch” schreiben, wenn man auch einfach ein Haken über das “s” machen kann? Warum zweimal den gleichen Konsonanten hintereinander schreiben? Wenn ein Vokal lang gesprochen wird, macht man einen Akzent drauf (bzw. beim “u” häufig auch einen Kreis), wenn keiner drauf ist, wird der Vokal eben kurz gesprochen, basta! Kein unnötiger Schnickschnack in der Schriftsprache. Außerdem wird im Tschechischen tatsächlich beinahe alles so ausgesprochen, wie man es schreibt. Wenn man sich also einmal die Regeln draufgeschafft hat und das Ganze ein bisschen übt, sollte die Aussprache insofern kein Problem sein.
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Die am häufigsten gehörte Frage, wenn ich Leuten von meinem Auslandssemester in Prag erzählte, war: “Sprichst du denn überhaupt Tschechisch?” Dies verneinte ich stets und erklärte, dass meine Uni-Veranstaltungen dort auf englisch seien, dass ich allerdings in Prag angekommen einen Tschechisch-Sprachkurs belegen werde. Tatsächlich sprach ich vor meiner Anreise kein einziges Wort Tschechisch. Und wahrscheinlich wäre es auch ohne Probleme möglich, sich nur mit Englisch hier durchzuschlagen. Doch etwa ein halbes Jahr in einem fremden Land zu leben, ohne auch nur zu versuchen, sich die Sprache der Menschen um einen herum anzueignen, wäre für mich undenkbar.

Deshalb schleppe ich mich eben zweimal in der Woche zum Tschechisch-Sprachkurs, starre in Tram und Metro auf die Namen der Haltestellen und überlege, wie man sie aussprechen könnte, und versuche im Supermarkt und in der Kneipe, mit den Leuten dort so weit es geht auf Tscheschich zu kommunizieren. Außerdem ist mir das Glück zugefallen, inzwischen zwei Tschechinnen als WG-Mitbewohnerinnen zu haben, was sich insbesondere auf das Erlernen von Schimpfwörtern sehr positiv auswirkt. Und auch wenn ich nach gut zwei Monaten in Prag nur ein paar Dinge auf Tschechisch sagen kann und einige Worte und Phrasen verstehe, fühle ich mich jetzt bereit, mein bisheriges Wissen über diese auf den ersten Blick so rätselhafte Sprache mit der Welt zu teilen.
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Na shledanou, Hostivař!

Irgendwann hat man auch mal genug. Genug vom Schimmel an der Badezimmerdecke, genug von der “Küche” (lies: zwei Herdplatten plus Spüle), die man sich mit 19 anderen Leuten auf dem Gang teilen muss, genug davon, mindestens eine halbe Stunde in Tram und Metro zu verbringen, um wirklich in der Stadt zu sein, genug von menschenverachtenden Rezeptionsangestellten, die so wirken, als trauern sie den dunklen Seiten des Stalinismus nach, genug davon, morgens früh aufzustehen, um noch einen heißbegehrten Schlüssel für einen Raum mit Waschmaschine zu bekommen, für den man auch noch umgerechnet knapp einen Euro pro Stunde bezahlt, genug davon, zu zweit in einem etwa 12 m² Zimmer zu wohnen. Kurz: Genug vom Prager Studentenwohnheim “Kolej Hostivař”.
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